Heute: 18.11.2018 - 10.05
Betoninstandsetzung    SIVV

• SIVV:   Schützen - Instandsetzen - Verbinden - Verstärken



SIVV: Betoninstandsetzung - Fragen und Antworten

Hier können Sie Ihr Wissen zum Thema "Instandsetzen" und darüber hinaus überprüfen. Ferner werden Sie einige weitere Informationen erhalten.
Die Fragen sind nicht dem SIVV-Fragen-Katalog entnommen (den ich nicht kenne), doch als langjähriger SIVV-Referent weiß ich ungefähr in welche Richtung der Fragenkomplex geht. Außerdem bieten sich wichtige Punkte geradezu an, um daraus eine Fragestellung zu formulieren.
Also los geht's! Beim Klick auf die Frage erscheint die Antwort.


  Welche wichtigen Normen bzw. Regelwerke für die Betoninstandsetzung kennen Sie?

RL SIB-DAfStb Instandsetzungsrichtlinie
Richtlinie für Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen (Fassung Oktober 2001), Deutscher Ausschuss für Stahlbeton,
ZTV-ING
Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauten
Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt),
DIN EN 1504 (Teile 1 – 10)
Produkte und Systeme für den Schutz und die Instandsetzung von Betontragwerken,
inkl. der deutschen Restnormen DIN V 18026 [entspricht EN 1504 Teil 2 (OS)]
und DIN V 18028 [entspricht EN 1504 Teil 5 (Injektion)]
ZTV-W LB 219
Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen – Wasserbau
Schutz und Instandsetzung der Betonbauteile von Wasserbauwerken
(Leistungsbereich 219)
VOB
Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen, Teil C: ATV = Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen,
mit der DIN 18349 Betonerhaltungsarbeiten

  Wie bezeichnet die Instandsetzungsrichtline (RL SIB-DAfStb) und wie die ZTV-ING die
Oberflächenschutzsysteme?

Die Instandsetzungsrichtline: Oberflächenschutzsysteme OS 1 - OS 13
Die ZTV-ING: Oberflächenschutzsysteme OS-A - OS-F

  Welche Betonersatzstoffe dürfen nach ZTV-ING verwendet werden?
Welche Schichtdicken( Abkürzung: d) sind zu beachten?

● Beton (d ≥ 5 cm), Spritzbeton (d ≥ 3 cm), SPCC (d = 1-5 cm),
PCC (d = 1-5 cm, in bes. Fällen bis 10 cm), PC (d ≥ 0,5 cm)

  Welcher Betonersatzstoff darf nicht nach ZTV-ING, aber lt. Instandsetzungsrichtlinie
verwendet werden?

● normaler nicht kunststoffmodifizierter Mörtel (CC)

  Wie übersetzen Sie die Kurzbezeichnungen PCC, SPCC, PC bzw. CC?

● PCC (Polymer Cement Concrete) = kunststoffmodifizierter Zement-Mörtel bzw. -Beton
● SPCC (Sprayable Polymer Cement Concrete)= spritzbarer kunststoffmodifizierter
Zement-Mörtel bzw. -Beton
● PC (Polymer Concrete) = Reaktionsharz-Mörtel bzw. -Beton
● CC (Cement Concrete) = Zement-Mörtel bzw. -Beton (nicht kunststoffmodifiziert)

  Warum sprechen wir in diesem Zusammenhang von Mörtel und Beton?

● Die Bezeichnug ist abhängig von der Korngröße.
Mörtel hat eine Korngröße Ø ≤ 4 mm, alles darüber wird als Beton bezeichnet.

  Für welche Auftragsflächen kann PCC I/PC I und PCC II/PC II verwendet werden?

● Lt. Instandsetzungsrichtlinie (RL SIB-DAfStb) kann PCC I bzw. PC I für waagerechte oder
schwach geneigte Oberseiten, PCC II bzw. PC II für beliebige Lagen angewendet werden.
● Die ZTV-ING ergänzt die vorgenannte Zuordnung mit dem Hinweis bei PCC I / PC I
"dynamisch belastet" bzw. bei PCC II / PC II "dynamisch oder nicht dynamisch belastet".

  Aus welchen Arbeitsschritten besteht normalerweise eine partiell durch Betonstahl-
korrosion zerstörte Betonfassade unter Verwendung eines PCC-Betonersatzsystemes?

● Freilegen des korrodierten Bewehrung (mit entsprechenden Sicherheitszuschlägen)
● Strahlen der Bewehrung und des Betonausbruches
● Auftragen des 2-fachen Korrosionschutzes
● Nach vorschriftsmäßigem Vornässen Haftbrücke auftragen
● "frisch in frisch" PCC einbauen, Oberfläche reprofilieren
● PCC-Spachtel über die Reparatur- und üblicherweise auch über die gesamte angrenzende
Betonfläche auftragen (zum Schließen von Poren, Lunkern, Kiesnestern usw. und zur Herstellung einer gleichmäßigen Saugfähigkeit der Betonfläche)
● Auftragen eines geeigneten Oberflächenschutzsystemes

  Welche Instandsetzungsprinzipien der Instandsetzungsrichtlinie (RL SIB-DAfStb) sind
Ihnen bekannt?

● Instandsetzungsprinzip R ⇒ Realkalisierung der Betonoberfläche
● Instandsetzungsprinzip W ⇒ Wasserreduzierung
● Instandsetzungsprinzip C ⇒ Coating (Korrosionschutz)
● Instandsetzungsprinzip K ⇒ Kathodische Behandlung der Bewehrung

  Kennen Sie die Beanspruchbarkeitsklassen der Instandsetzungsrichtlinie
(RL SIB-DAfStb) mit den wichtigsten Merkmalen?

M 1 fordert die ausreichende Festigkeit des Betonersatzes
M 2 zusätzlich zu M 1 werden Mindestwerte des Karbonatisierungswiderstandes und
eine einwandfreie Applikation und Aushärtung (z.B. unter Verkehr) gefordert
M 3 zusätzlich zu M 2 werden erhöhte Anforderungen an die Tragfähigkeit und die
Gebrauchstauglichkeit gestellt

  Welche Haftbrücke darf bei Auftrag eines SPCCs verwendet werden?

● Beim Aufspritzen von SPCC wird keine Haftbrücke verwendet.
Beim Spritzauftrag des Mörtels bleiben zunächst nur Feinanteile des Mörtels
(die "Haftbrücke") an der Oberfläche hängen bis dann nach und nach auch die
gröberen Kornanteile eingebettet werden.
Bei händischem Auftrag von SPCC ist eine Haftbrücke vorzusehen.

  Ab welcher Autragsdicke von PCC bzw. SPCC kann auf einen klassischen
Korrosionsschutz verzichtet werden?

● Die Überdeckung der Bewehrung muss > 4 cm betragen

  Wann soll die Betonunterlage vor Auftrag von PCC bzw. CC vorgenässt werden?
Wie soll die Beschaffenheit beim Auftrag des Mörtels sein?

● Die Betonunterlage (Betonfläche) soll beginnend bei 24 Stunden vor dem Auftrag
von PCC bzw. CC vorgenässt werden. Sollte die Betonunterlage zum Zeitpunkt des
Mörtelauftrages nicht matt feucht sein, muss nochmals vorgenässt werden.
● Der Mörteleinbau darf nur bei matt feuchter Oberfläche erfolgen.

  Welche Einbautemperaturen müssen bei PCC bzw. SPCC und PC eingehalten werden?

● Bei PCC bzw. SPCC muss die Objekttemperatur und die Temperatur des Mörtels
mindestens 5 °C betragen.
● Beim PC muss die Objekttemperatur und die Temperatur des Mörtels
mindestens 8 °C betragen. Die Taupunkttemperatur muss um
mindestens 3 K (K = Kelvin = Temperaturunterschied) überschritten werden.

  Welche Nachbehandlungszeiten sind nach den geltenden Vorschriften für PCC
bzw. für CC einzuhalten?

● PCC muss 3 Tage, CC 5 Tage nachbehandelt werden.

  Kennen Sie den Unterschied zwischen "Untergrundvorbereitung" und "Untergrund-
vorbehandlung"?

● Bei der Untergrundvorbereitung wird die Betonfläche (Betonunterlage) für die
Durchführung der Untergrundvorbehandlung vorbereitet (z.B. durch Strahlen).
Unter Untergrundvorbehandlung versteht man den Auftrag eines Stoffes (z.B. zur Vorbereitung einer Beschichtung, wie beispielsweise das Vornässen bei zementhaltigen Produkten).
Die ZTV-W LB 219 macht keinen Unterschied zwischen Untergrundvorbereitung und Untergrundvorbehandlung. Das Regelwerk schließt auch folgende Arbeiten in die Untergrundvorbehandlung ein: Fläche säubern, Fremdschichten und Beton abtragen, Bewehrung freilegen und entrosten, Kanten herstellen, Bewehrungen entfernen und Korrosionsschutzbeschichtungen aufbringen.

  Welche Korrosionschutzsysteme sind nach der Instandsetzungsrichtlinie
(RL SIB-DAfStb) bzw. ZTV-ING zugelassen?

● Zugelassen sind Epoxidharz- und mineralischer (zementöser) Korrosionsschutz.

  Welchen Oberflächenvorbereitungsgrad müssen Sie vor Auftrag eines mineralischen
Korrosionsschutzes erreichen?

● Lt. den Regelwerken muss der Oberflächenvorbereitungsgrad Sa 2½ entsprechen.
Wenn in der Grundprüfung des mineralischen Korrosionsschutzsystemes Sa 2 als
ausreichend geprüft wurde, kann dieser Oberflächenvorbereitungsgrad vereinbart werden.

  Warum wird bei Spritzmörtel nicht zwischen SPCC I und SPCC II unterschieden?

● Da ein Spritzmörtel -ebenso wie Spritzbeton- nicht von oben nach unten auf eine
Unterlage gespritzt werden darf, entfällt der Fall SPCC I.

  Welche Oberflächenzugfestigkeit (Abreißfestigkeit) der Betonunterlage müssen Sie
nach der Instandsetzungsrichtlinie (RL SIB-DAfStb) bzw. ZTV-ING vor Auftrag von
Mörtel und Beton im Mittel erreichen?
Welcher kleinste Einzelwert darf dabei nicht unterschritten werden?

● Der Mittelwert darf 1,5 N/mm², der kleinste Einzelwert darf 1,0 N/mm² nicht unterschreiten.

  Welche Mindestschichtdicke ist bei Auftrag von Spritzbeton auf Bauteile mit
vorwiegend dynamischer Belastung lt. ZTV-ING einzuhalten?

● Die Schichtdicke muss mindestens 5,0 cm betragen.

  Welche Temperaturen sind lt. ZTV-ING bei Spritzbetonarbeiten einzuhalten?

● Die Temperatur der Betonunterlage muss mindestens 3 °C und darf maximal 25 °C betragen.

  Welche Anforderungen bzgl. Wasserdampf- und Kohlendioxidiffusion werden an
Oberflächenschutzsysteme spez. bei Fassaden gestellt?

● Das Oberflächenschutzsystem muss wasserdampfdiffusionsfähig (SDH2O ≤ 4 m )
und gleichzeitig gegenüber Kohlendioxid einen möglichst hohen Diffusions-
widerstand (SDCO2 ≥ 50 m)aufweisen.

  Was versteht man unter dem SD-Wert und mit welcher Formel wird dieser berechnet?

● Der SD-Wert ist die Abkürzung für diffusionsäquivalente Luftschichtdicke und
wird nach der Formel SD = µ x s berechnet. Die Schichtdicke s muss dabei in Meter
eingesetzt werden. Der Wert µ ist die Diffusionswiderstandszahl, die vom
Hersteller des Oberflächenschutzsystemes angegeben wird.

  In welches größere Regelwerk ist die DIN 18349 integriert?

● Die DIN 18349 ist Bestandteil der VOB, Teil C, ATV (Allgemeine Technische Vertragsbedingungen).

  Auf welches Regelwerk bezieht sich die DIN 18349 bezüglich der Materialien?

● Die DIN 18349 bezieht sich auf die Instandsetzungsrichtlinie (RL SIB-DAfStb).

  Warum dürfen Sie bereits angesteiften PCC-Mörtel nicht durch Wasserzugabe
und Aufrühren erneut verarbeitbar machen?

● Durch die erneute Wasserzugabe wird der w/z-Wert des PCC-Mörtels verändert.
Dies würde die Qualität des Mörtels negativ beeinflussen.

  Rostet Bewehrung, die sich in vollständig karbonatisierten Beton befindet?

● Nein, sie wird nur dann rosten, wenn gleichzeitig ausreichend Feuchtigkeit
und ausreichend Sauerstoff vorhanden sind.

  Rostet Bewehrung, die sich in vollständig chloridverseuchtem Beton befindet?

● Nein, sie wird nur dann rosten, wenn gleichzeitig ausreichend Feuchtigkeit
und ausreichend Sauerstoff vorhanden sind.

  Welche Vorteile des mineralischen Korrosionsschutzsystemes ergeben sich
gegenüber dem Korrosionsschutzsystem mit Epoxidharz?

● Es ergeben sich eine Reihe von Vorteilen:
Evt. kann Sa 2 als Oberflächenvorbereitungsgrad vereinbart werden,
noch feuchter Stahl kann bestrichen werden,
eine Abstreuung zwischen den einzelnen Arbeitsgängen entfällt,
die Zeitdauer zwischen den einzelnen Arbeitsgängen ist beliebig,
das versehentliche Einschmieren des Betonuntergrundes ist weniger kritisch,
die Werkzeuge können mit Wasser gereinigt werden,
das Anmischen des Korrosionsschutzes muss nicht mit ganzen Gebinde erfolgen,
das Mischgut muss nicht umgetopft werden,
mineralischer Korrosionsschutz ist gegenüber der EP-Variante preislich erheblich günstiger.

Hält aus Gewohnheit!
Bücher

Schutz und Instandsetzung von Stahlbeton
7. Ausgabe 2015
Autor:
Manfred Schröder

Schutz und Instandsetzung von Betontragwerken
Autoren:
Michael Raupach
Janette Orlowsky

Betoninstandsetzung
Schadensfeststellung - Instandsetzung
Autor: Sylvia Weber

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Werde
Betoninstandsetzer

Betonman



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