Heute: 18.11.2018 - 10.05
Betoninstandsetzung    SIVV

• SIVV:   Schützen - Instandsetzen - Verbinden - Verstärken



Betonersatzstoffe (I)

Unter Betonersatzstoffen sind die Baustoffe zu verstehen, die für den ausgebrochenen bzw. ausgestemmten Beton eingebracht werden. Betonersatzsysteme bestehen aus Stoffen des Betonersatzes sowie ggf. aus der Haftbrücke, dem Korrosionsschutz und dem Feinspachtel.


  • Entsprechend den Regelwerken sind folgende Betonersatzstoffe zugelassen:
  • Beton- bzw.
    Mörtelart
    Max. Durchmesser
    in [mm]
    Schichtdicken
    [mm]
    1) Mind. dreifacher Größtkorndurchmesser
    2) Bei dynam. beanspruchten Bauteilen 50 mm
    3) Bei Instandsetzungsprinzip R1 ≥ 20 mm
    4) Örtlich bis 100 mm
    5) Anwendung bei Flächen < 1 m²
    6) Örtlich begrenzt einsetzbar, im Verkehrsbereich ≤ 1 m²
    7) Bei 16er Korn mind. 50 mm
    8) Bei Schichtdicken ≥ 100 mm darf Vergußbeton der Frühfestigkeitsklassen A und B nicht verwendet werden
    9) Sicherstellung einer ausreichenden Betondeckung
    10) Lt. 3. Berichtigung zur DAfStb-Richtlinie, Ausgabe der Berichtigung: September 2014
    11) Bezeichnung lt. ZTV-ING Ausgabe 2017/10
    12) Bezeichnung lt. ZTV-ING Ausgabe 2013/04
    13) Bezeichnung lt. DAfStb-Instandsetzungs-Richtlinie Ausgabe 2001
      ZTV-INGDAfStb-Rili
       min.max.min.[1]max.
    Beton keine Angabe50-50-
    Spritzbeton ≤ 8 bzw. ≤ 16[7]30[2,7]-30[2,7]-
    Spritzmörtel≤ 4 - - 15[10]30[10]
    Vergussbeton[10] > 4--60[9]25xGrößtkorn[8]
    Zementmörtel≤ 4--2040
    PCC[12,13] bzw. RM/RC[11]≤ 81050[4]10[3]50[4]
    SPCC[12,13] bzw. SRM/SRC[11]≤ 8105010[3]-
    PC[12,13] bzw. PRC[11]≤ 85[5]-5[6]40[6]


  • Erläuterungen: 
    (generell gilt: ..-beton: Korngröße > 4 mm | ..-mörtel: Korngröße ≤ 4 mm)
  • Beton = Normenbeton DIN EN 206-1 mit DIN 1045.
  • Spritzbeton = Beton nach DIN EN 14487-1 und DIN 18551.
  • Spritzmörtel = Zementmörtel (ohne Kunststoffzusatz) analog Spritzbeton.
  • Vergußbeton/Vergußmörtel = Werksmäßig hergestelltes trockenes Gemisch (Zement, miner. Gesteinskörnung, evt. mit Betonzusatzmitteln und/oder Betonzusatzstoffen), das durch Wasserzugabe auf der Baustelle in fließfähiger Konsistenz verarbeitet werden kann.
  • CC = Zementmörtel, d.h. nicht kunststoffmodifizierte Zementmörtel
  • PCC bzw. RM/RC = Kunststoffmodifizierter Zementmörtel bzw. -beton
  • PC bzw. PRC = Reaktionsharzmörtel bzw. -beton lt. DAfStb-Richtlinie und ZTV-ING 2013 bzw. Beton im Handauftrag nach ZTV-ING 2017
  • SPCC bzw. SRM/SRC = Spritzbarer kunststoffmodifizierter Zementmörtel bzw. -beton   

Anmerkung: Vergußbeton bzw. Vergußmörtel und Spritzmörtel (ohne Kunststoffzusatz) sind nicht Bestandteile der DAfStb-Richtlinie Ausgabe 2001. Diese wurden erst durch die
3. Berichtigung zur DAfStb-Richtlinie "Schutz und Instandsetzung von Betonbauteilen" vom September 2014 (siehe Links & Downloads) in diese aufgenommen.


  • Die Regelwerke unterscheiden folgende Anwendungsfälle:

ZTV-ING 2013 und DAfStb-Richtlinie:
PCC I und PC I = für befahrbare Flächen, dynamisch beansprucht, z.B. unter Brückenbelägen.
PCC II und PC II = beliebige Lage der Auftragsflächen, dynamisch oder nicht dynamisch beansprucht, z.B. Brückenuntersichten, Stützwände, Widerlager.

ZTV-ING 2017 bei RM/RC:
RC
= Waagerechte und schwach geneigte Oberseiten, dynamisch beansprucht (z.B. befahrene Flächen unter Belägen)
RM = beliebige Lage der Auftragsflächen, dynamisch (z.B. Kappen, Brückenuntersichten) oder nicht dynamisch (z.B. Stützwände, Widerlager) beansprucht.

ZTV-ING 2017 bei PRC:
Es werden keine weiteren Unterscheidungen vorgenommen (im Gegensatz zur ZTV-ING 2013: PC I und PC II).


Wie obenstehender Tabelle zu entnehmen ist, sind die Angaben bzgl. der Betonersatzstoffe in der DAfStb-Richtlinie und der ZTV-ING 2013 fast identisch, mit der Ausnahme der Verwendung von Vergußbeton, dem reinen nicht kunststoffmodifizierten Zementmörtel (CC) und Spritzmörtel ohne Kunststoffzusatz. Diese werden in der ZTV-ING 2013 und auch in der ZTV-ING 2017 nicht als Betonersatzstoffe aufgeführt und folglich sind sie dort auch nicht zugelassen.


  • Verwendung kunststoffmodifizierter Betonersatzstoffe nach ZTV-ING

Der Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur (bmvi) hat mit seinem "Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau (ARS) Nr. 20/2017" (siehe Links & Downloads) die ZTV-ING 10/2017 eingeführt und auf die veränderte Situation zu den bisherigen Ausgaben hingewiesen.

Baustoffe und Baustoffsysteme wurden bislang in Deutschland nach nationalen (deutschen) Regelungen mittels Grundprüfungen zur Verwendung zugelassen. Dies ist nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 16. Oktober 2014 unzulässig.
Künftig müssen Baustoffe und Bausysteme projektbezogen, d.h. für jedes Bauwerk speziell vom Auftraggeber oder dem beauftragten sachkundigen Planer ausgesucht und festgelegt werden.
Die bisher von der Bundesanstalt für Straßenwesen (bast) geführten Listen der geprüften kunststoffmodifizierten Betonersatzstoffe dürfen also künftig nicht mehr verwendet werden. Lediglich die nach ZTV-ING 2013/12 in Ausführung befindlichen Projekte können noch unter zugrunde Legung der sogenannten bast-Listen ausgeführt werden. Für einen Übergangszeitraum bis zum 31.12.2018 können die Listen auch als alternativer Nachweis der Verwendbarkeit verwendet werden. (siehe Links & Downloads)


  • bast-Listen nach ZTV-ING 2013

Die offizielle Bezeichnung der Liste für beispielsweise den PCC lautet: "Zusammenstellung der zertifizierten Stoffe und Stoffsysteme nach ZTV-ING, Teil 3, Abschnitt 4 (SIB) für Betonersatzsysteme aus Zementmörtel/Beton mit Kunststoffzusatz (PCC) für die Anwendung an Bauwerken und Bauteilen der Bundesverkehrswege."
Es existieren also Listen für PCC, SPCC, PC und auch für alle Oberflächenschutz-
systeme sowie Verpressmaterialien. Bei Arbeiten nach ZTV-ING 2013 ist der Verarbeiter ausschließlich an die Verwendung gelisteter Produkte gebunden.


  • BAW-Listen nach ZTV-W LB 219, 2013

Die Bundesanstalt für Wasserbau führt eigene Listen (BAW-Listen) für PCC und SPCC (siehe Links & Downloads). Auch hier dürfen die Listen nur noch für einen Übergangszeitraum bis zum 31.12.2018 verwendet werden.


  • Zusammenfassung:   
  • Betonersatzstoffe nach ZTV-ING 2013 sind Beton, Spritzbeton, PCC, SPCC und PC.
  • Betonersatzstoffe nach ZTV-ING 2017 sind Beton, Spritzbeton, SRM/SRC, RM/RC und PRC.
  • In der DAfStb-Richtlinie werden zusätzlich Zementmörtel (CC), Spritzmörtel und Vergußbeton/-mörtel als Betonersatzstoffe aufgeführt, die aber in der ZTV-ING keine Anwendung finden

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